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Haben führende Politiker tatsächlich Nazi-Opas?

In sozialen Netzwerken kursieren immer wieder Fotos, durch die suggeriert wird, führende Politiker hätten Vorfahren, welche bei den Nationalsozialisten gedient hätten. Dazu werden Fotos verwendet, bei denen angeblich auch eine Ähnlichkeit mit den Politikern zu erkennen ist.

  • Der Großvater von Olaf Scholz soll angeblich Fritz von Scholz gewesen sein, ein Gruppenführer von Hitlers Waffen-SS.
  • Gerhard Lindner, ein Brigadeführer bei der SS, soll angeblich der Großvater von Christian Lindner sein.
  • Auch Karl Lauterbach hätte mit Hartmann Lauterbacher einen Obergruppenführer bei der SS als Opa.
  • Jósef Tusk sei der Vorfahre von Donald Tusk und wäre im Sicherheitsdienst des Reichsführers gewesen. Dabei bekleidete Donald Tusk als Vorsitzender der Europäischen Volkspartei und als ehemaliger Präsident des Europäischen Rates höchste Ämter.
  • Auch der Vater der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, soll bei den Nazis gewesen sein.

Die Liste kann man beliebig fortsetzen.

Sieht man die Fotos an, erkennt man auf den ersten Blick tatsächlich Ähnlichkeiten mit den Politikern, sodass man diese gar nicht mehr anzweifeln möchte.

Aber sind diese Personen wirklich miteinander verwandt?

Fritz von Scholz war zwar tatsächlich ein Generalleutnant der Waffen-SS.
Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung dementierte die Behauptung dieser angeblichen Verwandtschaft. Fritz von Scholz hatte keine Kinder, und somit auch keinen Enkel. Olaf Scholz´ Großvater hingegen arbeitete als Beamter bei der Eisenbahn.

Nein, Fritz von Scholz ist nicht der Großvater des deutschen Bundeskanzlers.

Gerhard Lindner wurde in Sachsen geboren und starb im niedersächsischen Aurich. Es wird behauptet, er war SS-Brigadeführer. Lindner diente jedoch offenbar als Oberst in der 17. SS-Panzer-Grenadier-Division.

Finanzminister Christian Lindner kommt aus Wuppertal, und es finden sich keine Verwandtschaftsverhältnisse.

Bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach trägt der vermeintliche Großvater Hartmann Lauterbacher sogar einen anderen Nachnamen. Lauterbacher wird bewusst umbenannt, damit suggeriert werden kann, er sei der Großvater.

Auch hier hat das zuständige Gesundheitsministerium dementiert.

Auf dem Bild, welches den Großvater des ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zeigen soll, sehen wir nicht Jósef Tusk. Dieser war auch nicht beim Sicherheitsdienst des Reichsführers der SS, sondern wurde 1939 von der Gestapo verhaftet und in ein Konzentrationslager geschickt. Eine besonders fiese Geschichtsklitterung.

Auch der Vater von Ursula von der Leyen war nicht bei den Nazis. Ernst Albrecht war Ministerpräsidenten von Niedersachsen und ist erst 1930 geboren und somit zu jung, um gedient zu haben.

Woher stammen dann diese gefälschten Biographien?

Auch stellt sich die Frage, wer sich die Mühe macht, derart ähnliche Bilder herauszusuchen, wo Gesichtsausdruck, Blickwinkel usw. sehr gut optisch passen?

Berichten zufolge verbreitete ein Mann namens Jewegeni Prigoschin die Behauptungen im russischen Sozialen Netzwerk VK. Dieser Geschäftsmann betreibt laut Medienberichten die russische Troll-Fabrik Internet Research Agency, welche bewusst Desinformationen verbreitet.

Es gibt mit Sigmar Gabriel, dem früheren SPD Chef, tatsächlich einen Politiker, dessen Vater ein Nationalsozialist war. Sigmar Gabriel hatte sich offen davon distanziert. Niemand ist verantwortlich für die Taten anderer, auch nicht ein Sohn für jene des eigenen Vaters.

Im Deutschen Bundestag sitzt eine weitere Politikerin, deren Großvater tatsächlich Mitglied der NSDAP sowie der SA war. Ihr anderer Großvater amtierte 1932–1945 als Reichsfinanzminister und wurde 1949 als Kriegsverbrecher verurteilt. Zu dieser Politikerin finden sich allerdings keine Fotomontagen im Netz, welche dieses Verwandtschaftsverhältnis zeigen.

Fazit

Nur, indem man ähnliche Namen oder ähnlich aussehende Fotos von Personen mit Fotos von Regierungs-Mitgliedern nebeneinander stellt, kann man keine Verwandtschaftsverhältnisse belegen.

Die Behauptungen sind falsch, die Fakten sprechen dagegen.

Quellen: Correctiv.org (Scholz, Lindner, Lauterbach, Tusk), Spiegel.de

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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